Der Arganbaum ist einer der ältesten Bäume der Welt. Heute wächst er nur im Südwesten Marokkos. Die Arganie (Argania Spinosa), auch Ziegenbaum, Eisenholzbaum oder auch Arganbaum genannt, gehört zu den Seifenbaumgewächsen. Im Erdzeitalter der Miozän (25 bis 5 Millionen Jahre vor unserer Zeitrechnung) entwickelte sich der Arganbaum zu einem Spezialisten für wüstenähnliche, trockene Regionen. Der Baum wird bis zu 11 Meter hoch, hat eine Krone mit einem Durchmesser von bis zu 13 Meter und treibt seine Wurzeln auf der Suche nach Grundwasser bis 30 Meter tief in die sandige Erde. Tausende von Dornen schützen ihn vor gegen Tierfrass, nur Dromedare können die Arganblätter nagen. Die dicke Hornhaut im Maul der Tiere schützt sie vor Verletzungen. Auch Ziegen lernten es nach und nach, die Blätter und Früchte des Baumes zu fressen. |
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Die Ernte der Argan-früchte im Sommer (Juli, August bis September) ist schwierig, weil die Arganie nicht mit Maschinen geschüttelt werden kann. Wegen der extrem scharfen Dornen kann auch keine Handlese stattfinden. Deshalb warten die Berber, bis die Arganpflaumen von selbst zu Boden fallen, oder schicken ihre Ziegenherden in die Baumkronen. Überall im Südwesten Marokkos sieht man diese wunderbare Wiederkäuer in die Bäume klettern und Blätter sowie Früchte fressen.
Der Arganbaum wird sehr alt. In der Regel haben die Eisenholzbäume eine Lebenserwartung von 150 bis 200 Jahren. Es wurden jedoch auch vermehrt Exemplare gefunden, die 400 Jahre und älter waren.
Die Arganie ist 25 Millionen Jahre alt. Sie bedeckte einst große Flächen Nordafrikas und Südeuropas.
Heute existieren nur noch 20 Millionen Bäume im Südwesten Marokkos auf einer Fläche von nur 8000 Quadratkilometern.
Im Laufe der Zeit hat die Arganie das Leben der Einheimischen samt ihrer Tiere und Pflanzen geprägt. Holz, Blätter, Früchte und das aus den Samen gewonnene Arganöl sind vielfältig nutzbar. Das Öl ist in seiner Zusammensetzung und Wirkung auf den menschlichen Körper so einzigartig, dass es vermehrt die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern auf sich zieht.
Alte Berber behaupten, Arganbaum wirkt Wunder. Mit ihren über Jahrhunderte hinweg überlieferten Traditionen |
können die Berber in Marokko das zu Recht behaupten. Der Arganbaum liefert ihnen nahezu alles, was für ihr Leben am Rande der Wüste notwendig ist. Der Baum hält die Wüste auf, spendet Schatten, liefert Brennholz, seine Blätter dienen als Futter für die Ziegen, und seine Früchte enthalten ein kostbares Öl, das vielen Krankheiten entgegenwirkt. Mit modernen Analysemethoden sind Wissenschaftler den wertvollen Inhaltsstoffen nun auf die Spur gekommen und können mit klaren Worten erklären, was das Öl bewirkt. |
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Seit die Wunderwirkung des Arganbaumes erforscht ist, hat die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) das Argangebiet Marokkos 1998 zum Natursphärenreservat erklärt. Die Auszeichnung kann nicht nur, weil der Baum so selten geworden ist, sondern auch, weil er die Kultur und das Leben der Berber dieser Region beeinflusst wie keine andere Pflanze.
Aus ökologischer Sicht soll das Natursphärenreservat den Bestand der Bäume sichern, um das Fortschreiten der Wüste aufzuhalten. Denn die Arganhain verliert jährlich etwa 25 000 Bäume durch Abholzung, Überweidung und das Vorrückten des Sandes der Wüste. Die deutsche Regierung hat in den vergangenen Jahren zusammen mit der UNESCO und der marokkanischen Regierung ein Forschungsprojekt in Marokko finanziert, das die Arganbäume vor dem Ausstreben bewahren und ihre pharmazeutische Bedeutung ermitteln soll.
Der Arganbaum verträgt als eine der wenigen Pflanzen direkte Sonnenglut und schafft damit Lebensraum für andere Pflanzen, die in seinem Schatten gedeihen. Unter der Krone des Arganbaumes wachsen Gräser und Getreide, von denen die einheimische Bevölkerung lebt. Und solange sie Getreide anbauen können, bleiben die Bauern auf dem Land und wandern nicht in die Slumgebiete der Großstädte ab. Der Eisenholzbaum hat deshalb nicht nur eine Naturlogische, sonder auch eine soziale und kulturelle Bedeutung. Mindestens zwei Millionen Menschen, hauptsächlich Berber, leben von ihm, sind wirtschaftlich von ihm abhängig. Etwa zehn Bäume können einen Menschen ernähren. Soziologen haben errechnet, dass der Arganbaum den Berberstämmen im Südwesten Marokkos über 20 Millionen Arbeitstage pro Jahr sichert. Umgerechnet auf europäische Verhältnisse mit rund 200 Arbeitstagen pro Person und Jahr wären 100 000 Menschen durch Argan vollbeschäftigt.
Der Arganbaum ist für die Berber der Baum des Lebens. Sie versorgt die Berberstämme am Fuß des Atlasgebirges und am Rande der Sahara mit nahezu allem, was diese benötigen: Fallholz als Brennstoff, Früchte als Nahrungsmittel, Öl als Medizin. Aus ihren dürren Ästen bauen die Berber die Gerüste für ihre Lehmhäuser, sie nutzen sie als Brennholz für die Öfen der Köhlern Holzkohle daraus. Die Blätter und der Presskuchen der entölten Samen sind Futter für die Ziegen. Das Öl aus den Argankörnern gilt als eines der wertvollsten der Welt, in seiner Seltenheit nur vergleichbar mit Trüffeln. Bei seiner Herstellung entsteht Amlou, eine Paste, die erdnussbutterähnlich ist und mit Honig gemischt als kalorienhaltiger, süßer Brotaufstrich dient. Außerdem birgt das Öl medizinisch hochwertig Inhaltsstoffe.
Seit 50 Millionen Jahren hat also der Arganbaum auf den kargen Hängen des Atlasgebirges überlebt. Heilkundige Berber und Tuareg kennen seit langem die wohltuende Wirkung des flüssig goldenen Öls, das aufwendig aus den Samen der reifenden Arganfrüchte gewonnen wird.
Was den Berberstämmen im Südwesten Marokkos schon von jeher als Lebenselixier dient, was Schönheit bewahrt und Gesundheit erhält, ist mittlerweile auch für Menschen außerhalb Marokkos interessant geworden. |